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Letztes Jahr brach ich nicht zum ersten Mal alleine auf. Um für meine Masterarbeit einen Einblick in die indische Kultur erlangen zu können, ging es also nach Mumbai. Über Indien hatte ich viel gehört und ich dachte dabei an viele Dinge: bunte Farben, heilige Kühe, Saris, Bindis, das Essen natürlich, das Taj Mahal, volle Städte, aber auch an Armut, Dreck, Müll und Slums. Und vor allem: die Rolle der Frau. Ich weiß nicht ob man es als gesunde Portion Unbedarftheit oder Naivität bezeichnen kann, die da mitgereist ist, während meine Mutter vor Sorge umkam.
Natürlich hatte ich von den brutalen Übergriffen und Vergewaltigungen gehört, aber ich vertraue immer sehr auf mein Bauchgefühl und möchte mich von Umständen in einem Land selbst überzeugen. Soviel vorab, ich bin bisher jedes Mal unbeschadet aus Indien zurückgekehrt, zumal ich auch immer viel Zeit mit meinem Freund dort verbracht habe – also theoretisch nicht immer so ganz allein gereist bin. Es sollte dir bewusst sein, dass du mit einer hellen Haut und womöglich noch hellen Haaren dem indischen Schönheitsideal entsprichst und dir die Männer dort zu Füßen liegen. Sobald du den Flieger verlässt, wirst du angestarrt. Das kann einem schmeicheln aber auch total auf die Nerven gehen und irgendwie unangenehm sein. Gewöhn dich am besten gleich daran, dass ständig Fotos von dir geschossen werden. Es gibt allerdings ein paar Spielregeln, die es einer Alleinreisenden in Indien einfacher machen.

 

Der Trick mit dem Ring

Die Hochzeit ist in der indischen Kultur das, wonach quasi alle streben. Auch wenn sich, vor allem in den städtischen Ballungsgebieten, langsam eine Datingkultur wie bei uns im Westen entwickelt und laut meiner Freunde dort Apps wie Tinder immer mehr Nutzer finden, so wird immer noch meistens nach dem Partner fürs Leben gesucht. Oder die Eltern drängen zur Heirat und spielen „Tinder“. Meistens sind sie es nämlich, die Dates für ihre Sprösslinge arrangieren: Mama und Papa treffen eine Vorauswahl und die darf der Sohn oder die Tochter dann kennenlernen. Passt es, wird geheiratet (nichts da mit lange daten), wenn nicht, suchen Mami und Papi weiter. Klingt für uns völlig absurd und unselbstbestimmt (wenn ich überlege, wen meine Eltern mir da vorgesetzt hätten, aiaiai…), in Indien ist das völlig normal. Ja, ich wurde regelrecht bemitleidet, dass ich mit damals 29 noch Single war und mich auch noch selbst um die Partnerwahl kümmern musste.
Nun genug Exkurs betrieben, zurück zu meinem Trick. Leg dir einen simplen goldenen Ring zu und trage ihn am Ringfinger. Fertig. Somit wirst du als verheiratet betrachtet und du wirst meist in Ruhe gelassen. Oder aber du wirst verwundert gefragt, wo dein Mann sei – schließlich müssen Frauen 24/7 von ihrem Helicoptergatten beschützt und umsorgt werden. Ahja. Ich bin halt nicht so der Typ hermaphroditische, abhängige, homogene Masse als Beziehung, ich komm ganz gut als Individuum klar. Das darfst du dir denken, aber antworten solltest du „er ist arbeiten und ich treffe ihn gleich“. Dann ist meist Ruhe.

 

Kleidung

Indien ist verdammt heiß. Auf die Temperaturen bezogen. Als Frau solltest du dich stets bedeckter kleiden, als dir eigentlich lieb ist. Zumindest tagsüber. Meine Collegeleitung warf mir einmal regelrecht pikiert ein Tuch um, als ich in ¾ Hose und stinknormalem Tanktop (ohne großen Ausschnitt) auftauchte. Das würde die Jungs völlig wuschig machen. Tuch also über die Brust und los. Im Nachtleben Mumbais oder Delhis ist normale Partykleidung, wie du sie gewohnt bist, überhaupt kein Thema. Die jungen Inderinnen kleiden sich selbst so und viele finden es selbst schrecklich, dass sie sich tagsüber so bedeckt kleiden müssen. In Goa, aufgrund der vielen westlichen Touristen und der generell liberaleren Einstellung, kannst du dich etwas freizügiger kleiden. Du wirst zwar nach wie vor angestarrt, aber hey, daran musst du dich in Indien halt gewöhnen. Beachte allerdings, dass du nachts unter Umständen allein im Taxi (das empfehle ich dir auch für kurze Strecken, zu deiner Sicherheit) nach Hause musst und etwas zum überwerfen dabei haben solltest. Man weiß ja auch in Deutschland nie, was nachts so in den Köpfen vieler spukt.

 

Selbstbewusstes, höfliches und bestimmtes Auftreten

Sollte als das nichts helfen, weise bestimmt, aber freundlich auf dein Desinteresse hin. Normalerweise verstehen die Herren das schnell. Bloß nicht eingeschüchtert wirken, heißt die Devise, gerade in brenzligen Situationen. Mir ist in Goa mal am helllichten Tag ein totaler Druffi (Mensch mit erheblichem Alkohol und/oder Drogenproblem) am leeren Strand gefolgt und ließ sich trotz Ansage und vehementen „verzieh dich“-Gesten nicht verscheuchen. Da habe ich 2 Fischer und einen Herrn vom Baywatch gezielt angesteuert und um Hilfe gebeten. Der Typ vom Baywatch hat den unendlich verliebten Druffi dann auf Hindi angeschrien und mittels wildem Armrudern des Strandes verwiesen. Ich habe bis heute keine Ahnung, was er gesagt hat, aber ich hatte fortan Ruhe. Generell sind indische Männer sehr hilfsbereit und zuvorkommend – obwohl sie oft komisch starren. Gerade junge, Englisch sprechende Männer bieten oft ihre Hilfe an, das muss noch nicht einmal flirty gemeint sein.

Mit diesem Satz möchte ich auch meine Tipps an dieser Stelle beenden, denn ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Inder ein sehr herzliches und neugieriges Volk sind. Du wirst dort oft angeschaut, angestarrt und angesprochen werden: sie sind neugierig, was dich in ihr Land verschlagen hat, was du dort machst, wo du herkommst. Danach wird meist nach dem obligatorischen Selfie gefragt. Was das soll, keine Ahnung, aber oftmals öffnet es die Tür für wundervolle Gespräche, kulturellen Austausch oder, wie in meinem Fall, für die Liebe (okay, ein Selfie gab‘s erst beim ersten Treffen 😉 ) 🙂

Vielen indischen Frauen ergeht es da anders. Ganz anders. Nicht nur sind sie oftmals schutzlos Gewalt ausgeliefert, sondern ihnen wird auch der Zugang zur Bildung verwehrt. Sie befinden sich dadurch in einem Teufelskreis, der meist die Ärmsten der Armen betrifft. Ein Teufelskreis, der mit Bildung durchbrochen werden kann und die Frauen aus ihrer untergeordneten Rolle befreien könnte. Zum Glück gibt es Organisationen wie die Smile Foundation India, die sich, unter anderem, genau für diese Frauen einsetzt und sie darin unterstützt, ein selbstbestimmteres Leben zu führen.
Da ich mir vor 2 Wochen selbst ein Bild von der Organisation und ihren Einrichtungen in Delhi und Umgebung machen konnte (mein Bericht folgt), möchte ich sie fortan unterstützen. Zu diesem Zweck beteilige ich mich nicht nur an ihren Kampagnen, sondern spende 30% meiner Einnahmen von The Soulfood Traveller.

Smile Foundation India, girls, amabassadorBesuch einer Mädchenschule in Delhi.

Shirt: Kamah [Werbung/Ad]


Travelling alone in India as a woman

Last year I left Germany not for the first time to travel solo. In order go get some insight knowledge of the Indian culture and view for my master thesis I wanted to go to Mumbai. I had heard a lot about India – likewise thought about a lot of stuff: colourful streets, holy cows, saris, bindis, the food, Taj Mahal, packed cities and streets, but also poverty, dirt and slums. And overall, the role of women. I am not sure whether it was inexperience or naivety on my side, since my mother was quite worried about my travel plans. Of course I had heard about assaults and rape, but usually I trust my guts and I want to get an idea myself before I trust hearsay.
Just for your information, until today I always got back from India without anything happening to me. Might be because I am travelling with my boyfriend there and I wasn’t actually by myself most of the time. You should be aware that fair skin and blonde hair (if you are blonde) would make you look attractive for Indians and some men will fall for you (a lot, to be more particular). Once you are leaving the airplane they will start to stare at you. It can be flattering but also be annoying and make you feel uneasy. You have to get used to it from the very beginning that people will take pictures of you. But there are rules that will make your solo travel much more easier in India.

The trick with the ring
Marriage is everything in the Indian culture. Everybody wants to achieve it. Even though a dating culture is on the approach within the cities, like it is in western countries. Apps like Tinder are becoming more popular amongst Indians. Yet everybody is still looking for the one. So it is the parents that play “Tinder” for you and they arrange dates. Mum and dad will make a pre-selection of possible candidates that you are allowed to get to know. If that fits, „lets get married“, otherwise they will keep looking (no long dating here). It sounds odd to us and old fashioned (well if I consider who my parents would have chosen…) but it is totally normal in India. And yes, they felt sorry for me because I was 29 and single and I had to look for a partner all myself.
But back to the subject, my trick and advice for you. Get a simple golden ring and wear it. They will consider you as married and leave you alone. They might ask where your husband is and why you are alone (because women have to be protected by their police like husband 24/7). I am more the independent type of women and I get along alone very well, thanks buddy. So just tell them that your husband is at work and you will meet him any minute. And they will not ask further questions and leave you be.

Clothing
It is very hot in India, very hot (referring to temperatures). As a woman you should always wear more as you wish you would. At least during the day. The principal of the school I was visiting once literally threw a scarf at me when I was wearing a ¾ pant and tank top (without a deep neck line). My look would make the boys go crazy. So I took the scarf and wore it around my neckline and shoulders and it was fine. Nightlife in Mumbai or Delhi is the same as in Europe, usual party clothes, and no problem at all. Young Indian women love wearing less and what they want. They also don’t really like that during the day they have to dress modestly, but I guess that’s just the way it is. In Goa it was the same thing. Because of many tourists and a more liberal attitude you may wear less. Again they might stare at you but you better get used to it. But be advised that at night time you should better have something like a jacket to put on if you are travelling with a taxi by yourself (I even would do it for short distances). You never know what they would do (can be the same in Germany, there are crazy people everywhere).

Be confident, polite but clear
If that all does not help just advise them friendly that you are not interested. Normally men get it (fast). Don’t make the impression that you are insecure, particularly in tight situations like this. When I was walking along the beach in Goa (during the day) a guy was following me, who was obviously intoxicated and tripping. The beach was empty and he ignored my words and telling him that I am not interested and that I want to be left alone. So I talked to two fishermen and a local lifeguard. The lifeguard guy then talked to the guy following me and made it clear that he should leave right now. Until today I have no idea what the lifeguard guy said, but it helped and I had the beach for myself again. So in general Indian men are very helpful and kind – even though they might stare in a strange way. Especially young Indians offer you help, which does not necessary mean they are flirting with you.

Having said all this I will now end my Indian Travel Tipp’s for you. I would again like to point out that Indian people are very warm, sincere and curious people. Yes, they will look at you, they wills stare at you and they will talk to you: why you came to India, what you are doing here, where you are from. And after all that they will ask you for a mandatory selfie. I don’t know why but they just do it and it opens doors for you – for interesting conversations and in my case for finding the one true love (and I admit we took a selfie on our first date ;)).

For a lot of Indian women it is different, very different. Most of the time they face themselves vulnerable to violence and no opportunity of receiving any way of education. They are trapped in a vicious circle, because usually these women are within the lower caste and poor. A vicious circle, which they could escape if they would receive proper education and which would free women from their subordinate role. Luckily there are organisations like Smile Foundation India, which, among other things, fight and support these women in helping them to live an autonomously life.
I would like to support this organisation because I had a chance to see how they work 2 weeks ago. I was in Delhi and accompanied them during one day (I will write a blog post about this day once I am back in Germany). In order to support them, not only with campaigns, I will donate 30 % of what I earn with The Soulfood Traveller from now on.