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Als ich im Juli einen Tag für mich in Delhi hatte, beschloss ich, die Smile Foundation India zu besuchen, welche in der Nähe meines Hotels eine ihrer Zweigstellen hat. Zum Glück erklärte sich eine Mitarbeiterin der Organisation dazu bereit, mir einen Einblick in die verschiedenen Projekte zu geben. Ich hatte keine Ahnung, wie einschneidend dieser Tag für mich werden sollte.

 

Mission Education

Unser erster Stop ist eine Schule in einer Gegend, die nicht unbedingt aussieht wie ein Slum, wie man es aus Dokumentationen kennt oder wie ich sie in Mumbai regelmäßig gesehen habe. Anhand der zerrütteten Straßen und den spartanischen Behausungen kann ich aber deutlich erkennen, dass es sich nicht um eine allzu gute Wohngegend handelt. Das Schulgebäude wirkt wie eine Art offenes, altes, heruntergekommenes Mehrfamilienhaus. Es ist heiß und stickig, als wir die Treppen in den ersten Stock hinauf gehen. Alle 4 Klassenräume dort sind klein, ohne Tische oder Stühle und voll mit kleinen Mädchen, die neugierig ihre Köpfe recken. Als ich näher komme, springen sie alle auf und sagen im Chor „good morning ma’m“. Auf meine Frage „how are you?“ antworten sie mir, ebenfalls im Chor, „fine“. Sie kichern und setzen sich, die Lehrerinnen fahren mit dem Unterricht fort, während die kleinen auf dem Boden sitzen und andächtig lauschen.

An den Wänden hängen motivierende Plakate rund um Respekt, Lernen und Erfolg. Wichtige Aspekte, wenn man bedenkt, dass viele Eltern dieser Mädchen regelrecht dazu überredet und angefleht wurden, ihre Töchter doch in die Schule zu schicken. Diese sind meist der Auffassung, dass Mädchen keine Bildung brauchen, da sie eh früh verheiratet werden sollen, damit sie dem Elternhaus nicht weiter zur Last fallen.

Smile Foundation School

STeP

Unser nächster Stop ist eine weitere Schule, doch diesmal soll ich etwas ältere Schülerinnen und Schüler besuchen. Da noch Pause ist, wird uns ein Mittagessen angeboten. Ich entscheide mich für Kekse, da ich nicht weiß, wo das Essen herkommt, ob es vegan ist und ob es mir nicht, aufgrund seiner Herkunft, den Rest des Tages mit Durchfall versaut.

In der Klasse bekomme ich die Gelegenheit, mich mit den Schülerinnen und Schülern auszutauschen. Ich halte einen spontanen Vortrag, um sie aufzulockern und zu motivieren und frage sie, was sie einmal werden wollen. Ein Junge antwortet, dass er der Präsident von Indien werden möchte und als ich ihn frage, was er in dieser Position durchsetzen wollen würde, antwortet er: „Bildung!“

Im STeP Programm erlernen unterprivilegierte junge Menschen marktorientierte Fähigkeiten. Dazu gehören Englisch, Computer Grundkenntnisse, Persönlichkeitsentwicklung, Einzelhandelskenntnisse und Soft Skills. Debby erzählte mir außerdem, dass es diverse indische Unternehmen gibt, die mit STeP zusammenarbeiten, um Absolventinnen und Absolventen des Programms einzustellen.

Smile on Wheels

Unsere letzte Station an diesem Tag ist ein Slum in der Vorstadt, in dem Menschen in unfertigen Mehrfamilienhaus-Skeletten und auf engstem Raum leben. Nachdem ich den Ärzten und Apothekerinnen im Bus zugeschaut habe, wie sie Untersuchungen auf der Straße vornehmen und Medikamente an die in Schlange stehenden Menschen ausgeben, treffen wir auf eine Gruppe Kinder, die mich anlächeln und neugierig beäugen. Debby sagt ihnen, dass sie alle zusammen kommen sollen, damit wir ein Bild zusammen schießen können.

Außerdem ziehen wir durch die Straße und teilen den Anwohnern mit, dass der Bus da ist und dass sie dort vorstellig werden können. Dabei kommen wir an einer alten Dame vorbei, für die jede Hilfe zu spät kommt. „Die wartet auf ihren letzten Atemzug“, sagt eine Frau trocken beim Vorbeigehen. Sie liegt auf einer Liege und ist tatsächlich mehr tot als lebendig und voller Fliegen. Ihr Anblick schnürt mir die Kehle zu und ich werde ruhig für die nächsten Minuten, während wir ein Haus betreten. Es besteht aus einem langen dunklen Flur, an dessen Seiten links und rechts jeweils etwa 8 Zimmer sind, deren Größe kaum mehr als 10m² beträgt. Am Ende des Flures kann ich etwas offenes, Schmuddeliges erkennen, dass offenbar Toilette und Bad ist. Selten habe ich etwas so ekliges gesehen. Die Luft in dem Haus stinkt nach Exkrementen. „In diesen Zimmern leben sie teilweise zu 10 Leuten“, sagt mir Debby als ich in einen Raum mit dem winzigen Fenster schaue, in dem ein pritschenartiges Bett steht, sonst nicht viel.

 

Swabhiman

Während unseres letzten Stops sehe ich auch die Beraterinnen des letzten Projektes. Swabhiman heißt übersetzt „Selbstrespekt“ und richtet sich an Frauen und Mädchen, um ihnen dabei zu helfen, ihr Potenzial auf verschiedensten Wegen zu nutzen. Dabei bedarf es auch der Schaffung eines entsprechenden Umfeldes. Dabei spielen vier Faktoren eine Rolle: Aufsuchen von medizinischer Versorgung, Unterstützung durch Bildung, Unterstützung von Männern durch ihren Einbezug und nachhaltige Änderung in den Communities.

Die Rolle der Frau ist in Großteilen Indiens nach wie vor eine sehr zweitrangige. Besonders in den armen und bildungsfernen Schichten bekommen Mädchen dies zu spüren. Sie bekommen weniger medizinische Behandlungen als Jungen und selbst als ausgewachsene Frauen suchen sie oft erst Ärzte auf, wenn die Beschwerden schon weit fortgeschritten sind und kaum noch heilbar sind. Oft wissen sie nichts oder nur wenig darüber, wenn es um ihre eigenen Geschlechtsorgane, deren Hygiene und Funktion geht. In Swabhiman beraten die Helfer Frauen in diesen Belangen und klären auf.

Auch Männer werden involviert, um Frauen vor sexueller Gewalt zu schützen und sie in ihrer Selbstbestimmtheit zu unterstützen. Dieser Schritt ist oft schwierig, weil viele Männer Angst vor dem Fall ihres patriarchalischen Vorranges haben und nicht einsehen wollen, dass Frauen unabhängig von ihnen sein sollten. Dieses Denken muss, um einen Umschwung erzielen zu können, auch in den Communities verankert werden. Der Aufwand, den Smile hier betreibt, scheint sich zu lohnen, da bereits 150.000 Mädchen und Frauen von dem Programm profitiert haben.

 

 

Dieser Tag war so einschneidend für mich, dass ich beschlossen habe, dass 30% meiner Einnahmen, die ich aus Kooperationen generiere, der Smile Foundation India zukommen lassen möchte.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Debby bedanken, die mich den ganzen Tag mitgenommen und mir die Einblicke in die wundervolle Arbeit der Organisation gegeben hat. Auch möchte ich erwähnen, dass ich mit der Smile Foundation in Kontakt getreten bin und für diesen Beitrag nicht gesponsert werde.

 

 


 A day with Smile Foundation

As I had a day for myself while I was in Delhi in July, I decided to visit the Smile Foundation India, which had a branch located near my hotel. Luckily, a member of the organization offered to give me an insight into the different projects. I had no idea how incisive this day would become for me.

 

Mission Education

Our first stop is a school in an area which did not necessarily look like a slum as known from documentaries or as I had seen it regularly in Mumbai. Yet looking at the torn roads and scanty houses I can clearly see that it is not one of the best neighborhoods. The school building seems like an old, open, run-down block of flats. It is very hot and stuffy as we climb up the stairs to the first floor. All four classrooms are small, without chairs and tables and full of young girls which turn their heads curiously. They jump up as I get closer and chorus “good morning ma’am”. As I ask them “how are you?” they chorus again “fine”. They giggle and sit down, listening as the teachers continue their class.

The walls are covered in motivating posters about respect, studying and success. Important aspects if you consider that many parents of these girls were begged and convinced to send their daughters to school. Most of them think that girls do not need education anyway because they should get married as early as possible, so that they no longer pose a burden to the family.

 

STeP

Our next stop is another school, but this time I get to visit older pupils. We arrive for lunch time and get offered food. I decide on biscuits as I don´t know where the food is from, if it´s vegan and if it could ruin my day with diarrhea.

In class I get an opportunity to talk to the pupils. Spontaneously I do a small presentation to loosen up the situation and motivate as I ask around what they wish to achieve in the future. One boy answers that he´d like to become the president of India and as I ask what he wants to enforce in his position, he replies: “Education!”

The STeP Program enables less privileged, young people to learn market orientated abilities. This includes English, IT skills, personality development, retail knowledge and soft skills. Debby also told me about many different firms working together with STeP to recruit graduates.

 

Smile on wheels

Our last stop of the day is a slum in the suburb area where people live in something like unfinished skeletons of housing blocks on a tiny space. After I watch doctors and pharmacists doing examinations on the streets and handing out medications to long queues of people, we meet a group of children who smile and look at me curiously. Debby tells them to get together and we take a picture together.

As we walk through the streets and tell residents that the bus arrived we pass an old lady for whom it is too late to help. “She´s waiting for her last breath” a by-passer explains to us rather dryly. She lies on a gurney and seams in fact more dead than alive. She is covered in flies. At the sight of her I get a lump in my throat and turn quiet for a few minutes while we enter a house. It consists of a long dark corridor leading to about 8 rooms, the size of which is no more than 10m². At the end of the corridor I see something open and dirty, which apparently constitutes the bathroom. Never in my life have I seen something so repulsive. The air smells like excrements. “Usually about 10 people live in these rooms” Debby tells me as I look into a room without much in it apart from plank beds.

 

Swabhiman

During our last stop, I also get to see the advisors of the last project. Swabhiman means “self-respect” and is directed towards women and girls to help them use their potential in different ways. This requires the creation of according surroundings. Many aspects are being tackled in the program: Access to medical care, support through education, support of men through their comprehension and sustainable change in communities.

In many parts of India, the role of women is still secondary. Especially women from poor and less educated social classes feel this. They get less medical treatment as boys and even as grown women they only visit doctors when symptoms are advanced and can rarely be healed. Often they know only little about their own reproductive system, hygiene and function. Members of Swabhiman advise women in these areas and inform.

Even men get involved to protect women from sexual violence and support them in their self-determination. This step is often difficult as many of these men are scared to lose their patriarchal priority and do not want to accept that women should be independent of them. In order to achieve change this thinking must be rooted even within communities. All the effort that Smile puts into these projects seems to pay off as 150.000 girls and women already profited from the program.

 

This day was so life-changing for me that I decided to donate 30% of all revenue I gain from the cooperation to Smile Foundation India.

I want to thank Debby for taking me around and giving me an insight to the organization’s wonderful work. Furthermore, I’d like to point out that I approached Smile Foundation and I’m not being sponsored for this post.

 

Werbung: Das Shirt, das ich auf den Fotos trage, ist von Kamah Yoga & Style

Ad: The shirt I’m wearing on the pictures is from Kamah Yoga & Style