Im August letzten Jahres begab ich mich, wie du vielleicht weißt, in ein Flugzeug von Paris nach Mumbai. Während ich meinen Fensterplatz eingenommen hatte, verblieb mein Nebensitz vorerst leer. Ich freute mich darüber, dass niemand dort saß: mehr Platz für mich, kein potentieller Schnarcher oder Stinker. Gute Voraussetzungen für einen angenehmen neunstündigen Flug. Dann betrat ein junger Inder den Gang, stoppte kurz, drehte sich um, um seine Tasche auf der gegenüber liegenden Seite zu verstauen, und setzte sich mit einem freundlichen „Hi!“ neben mich. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: mein Leben sollte sich fortan ändern, denn kurze Zeit später verliebte ich mich in den jungen Mann aus dem Flugzeug.

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So schnell kann es passieren, wenn du auf Reisen bist. Vor allem als Alleinreisende/r lernst du unheimlich schnell viele neue Leute von überall auf der Welt kennen, meistens sind es Menschen mit ähnlichen oder gleichen Interessen, viele inspirieren und faszinieren dich. Manchmal flirtest du und erschrickst vor dir selbst, da du zu Hause eher schüchtern bist. Viele lassen sich auch auf kurzweilige Abendteuer ein – man sieht sich vermutlich eh nie wieder und dieser Umstand muss genutzt werden, um den Moment voll auszukosten. Und dann gibt es noch Menschen wie mich, die sich halt verlieben.

 

Aber kann man überhaupt eine Beziehung auf eine solche Distanz und basierend auf einer so kurzen Kennenlernphase überhaupt führen?

 

Ich sage ganz klar: JA. Man muss es nur wollen. Auf Reisen hat man zum Glück die Möglichkeit, besonders intensiv Zeit miteinander zu verbringen und sich ganz anders kennenzulernen als zu Hause. Mag sein, dass somit der Faktor Alltag ausgeblendet ist und dadurch eine Realitätsverzerrung eintritt, die ein böses Erwachen haben kann. Sind wir aber mal ehrlich, Reisen sind oft durch die intensive gemeinsame Zeit und zu treffenden Entscheidungen für gefestigte Paare schon eine Herausforderung, die nicht selten in Streit und manchmal Trennung mündet.

Um eine derartige Fernbeziehung aufrecht zu erhalten bedarf es vor allem zweierlei Faktoren: Vertrauen und Kommunikation. Dass Erstgenanntes essenziell ist, brauche ich dir vermutlich nicht weiter zu erläutern. Du musst Vertrauen in deinen Partner haben und bereit sein, ihn/sie am Flughafen „frei“ zu lassen. Dass Klammern in einer Fernbeziehung nicht möglich ist, erklärt sich von selbst. Hast du aber genug Vertrauen in dich, deinen Partner und die frische Beziehung, fällt der Abschied zwar jedes Mal schwer, aber die Distanz wird kein Problem darstellen. Diese kann mittels moderner Kommunikationsmittel heutzutage hervorragend überbrückt werden, wenn du sie richtig nutzt. Mit richtig meine ich, dass man wirklich über alles spricht, vor allem was in einem vorgeht. Das müssen viele erst lernen, aber es fällt leicht, wenn man einander vertraut und entsprechend offen über alles miteinander spricht. Wirklich alles. Du darfst schließlich auch kulturelle Differenzen nicht außer Acht lassen, mit denen du dich eventuell arrangieren musst. Zeitgleich bedeutet der kulturelle Austausch aber auch eine unheimliche Bereicherung.

So nett die ganzen Tools zu Kommunikationszwecken sind, sie ersetzen den/die Liebste/n nun mal nicht physisch. Mein Freund und ich sind in der privilegierten Lage, dass ich mir Flüge quasi überall hin leisten kann (wie, das habe ich hier geschrieben) und mein Freund geschäftlich schon mal nach Europa reisen muss, sodass wir uns hier in Deutschland, in Indien oder eben dort, wo er eingesetzt wird, sehen können. Als Studentin und jetzt als Referendarin hatte und habe ich zudem einen großen Flexibilitäts- bzw. Ferienbonus, der es mir erlaubt und erlaubte hin und wieder aus Deutschland herauszukommen. Oder ich baute Zwischenstopps in Mumbai ein, wie zum Beispiel nach meiner Rückkehr aus Sri Lanka, wo ich eh dort zwischengelandet wäre. Also habe ich einfach eine Woche daraus gemacht. Letztes Jahr haben wir uns in einem dritten Land verabredet und sind nach Thailand gereist.

 

Das klingt vielleicht nach viel Organisation, Verzicht und Vermissen – und das ist es auch, keine Frage.

 

Aber eine Fernbeziehung hat auch schöne Seiten. So freue ich mich jedes Mal darauf, ihn wiederzusehen oder auf unsere Videocalls. Ich bin frei in allem was ich hier in Deutschland mache, da ich mich nicht terminlich mit meinem Freund abstimmen muss, wenn ich mich mit Freunden treffe, spontan ein paar Tage verreise oder irgendwas unternehmen will. Selbiges gilt für ihn. Klar, viele dieser Dinge möchten wir gerne miteinander teilen, aber wir telefonieren oder schicken uns Fotos, wenn wir unterwegs sind und gönnen es einander. Auf diese Art sind wir irgendwie dabei. Ich habe mein eigenes Reich zu Hause und brauche meinen Alltag nicht noch um jemand anders herum zu planen. Versteh mich nicht falsch, wäre er hier, würde ich das gerne tun. Aber wenn wir einmal ehrlich sind, in manchen Phasen kann das sehr anstrengend sein und ich habe das Gefühl, meinem Partner nicht gerecht zu werden.

Über kurz oder lang ist es, meiner Meinung nach, jedoch essenziell für eine Beziehung, eine geografische Nähe zu schaffen. Das bedeutet meist, dass mindestens einer in der Beziehung seine Zelte irgendwo abbrechen und ein neues Leben irgendwo anfangen muss. Hier ist riesengroßes Verständnis gefragt, vor allem, wenn der Partner diesen Schritt herauszögert. Ich würde genauso handeln, wenn ich mein Leben und meinen Job hier aufgeben müsste. Als Paar muss man hier an einem Strang ziehen und sich unterstützen, sonst kann es nicht funktionieren. Aber wenn du es wirklich willst, wird es klappen!

In diesem Sinne – ziehet los und verliebet euch! 😉 Aber bevor du das tust verrate mir doch: hattest du schonmal eine Fernbeziehung?

 


Long Distance Relationships and Travel – does it work?

Last year in August I made my way to Mumbai. By plane of course. While I had already taken my seat, my neighboring seat remained vacant.I actually liked the thought of no one sitting next to me: more space for me and no snorer neither stinker annoying me. Overall: great circumstances for a pleasant flight. Then a young Indian guy walked down the isle. He stopped and turned around to drop his bag in the overhead compartment on the other side of the isle. He sat down next to me and smiled at me saying „Hi“. There was one thing I had no clue about in that very moment: my life would change and I would fall in love with the stranger from the plane.

That’s life how it can happen anytime traveling, my dear. Especially if you are a solo traveling person you get to know new people from all over the world  very quick. Most likely these people have the same interests like you, many of them will inspire and fascinate you. Sometimes you catch yourself flirting although you tend to be more shy at home. Some might fall for a little „adventure“ because you will never see them again. And then there’s people who fall in love.

But can a relationship really base on distance and a short period of getting to know each other? I say YES. You just have to make out work. The advantage of meeting a significant someone traveling is that you have the opportunity to get to know each other  in a short but also very intense time. Some might argue that this is not representative of our daily life which could cause problems once the honeymoon phase is over. But let me tell you what: the circumstances of traveling can be a tough challenge for couples who have been together for ages which sometimes times result in fights and break ups.

In order to keep a long distance relationship alive it takes to major factors: trust and communication. I probably don’t have to tell you that the first thing mentioned is essential anyway. You have to trust your partner and you must be willing to set him*her „free“ at the airport. It goes without saying that clinging is poison to a distance relationship. Saying goodbye is always hard but you have enough trust in yourself, your partner and the fresh relationship the distance won’t be an obstacle. Distance can be overcome by modern means of communication anyway if used smartly. By „smartly“ I mean you should talk and communicate the right way, about what’s on your mind. Some might have to learn to speak their minds but trusting each other really helps to open up and tell each other everything. Yes, I said everything. You should also bear cultural differences in mind which you have to learn and accept. However, this cultural exchange is a real enrichment.

Regardless how advanced and great means of communication are, they can’t replace the physical presence of your partner. My boyfriend and I are lucky enough to be able to afford flights anywhere in the world (how, I wrote down here). He even gets to travel to Europe for work so we can meet in Germany, India or wherever work has sent him. Additionally, I’m quite flexible and I get a lot of holidays which allow me to leave Germany quite often. So I stopped by in Mumbai on my way back from Sri Lanka or we met in a third country, like Thailand last year.

This might sound like a lot of organization, missing and abstinence, which it is as a matter of fact. But to the same extend a long distance relationship also has its benefits: I’m always looking forward to seeing him or to video calls. I am free to do whatever in Germany because I don’t have to check someone else’s timetable if I want to meet friends or if I decide to travel spontaneously. Don’t get me wrong, of course we would love to share many things with one another but instead, we talk on the phone and send each other pictures. And most importantly, we are happy for the one of us who is experiencing something fun. By doing this, it kind of feels as if the other person is around. However, at the same time I don’t have to build my life around someone else’s. And again, please don’t get me wrong, if he was here, I surely wouldn’t mind it. But let’s be honest, some phases can be really exhausting and I get the feeling to not give my partner the attention he deserves.

Nonetheless, it is essential for any relationship to achieve a geographical proximity sooner or later. This means that one person has to give up his*her life somewhere and start a new one. In this situation it is very important to be understanding if the partner hesitates. I wouldn’t act any different if I was in that persons shoes (or, in my boyfriend’s 😉 ). That’s exactly when support is needed the most in order to make things work. And the will work out if you want it to 🙂 So don’t be scared: go travel and fall in love!

Have you ever been in a long distance relationship?