Ich liebe dich – du liebst mich. Der gängige Konsens einer jeden Beziehung. Anlass genug für mich, unsere Liebe einmal zu reflektieren.

[Click here for the English version]

 

Der Handel mit der Liebe

Es scheint, als handelten wir mit dem Satz „ich liebe dich“ auf der Ebene eines Equivalenzgeschäftes: was ich investiere bekomme ich zurück, das was du investierst, bekommst du zurück. Wenn ich nicht mindestens das zurückbekomme, was ich investiert habe, hast du ein Problem und ich auch, weil ich denke du liebst mich nicht. Das gilt auch andersherum für dich.

Eine*n andere*n zu lieben bedeutet nicht, ihn*sie zu brauchen und Liebe von ihm*ihr zurück zu erwarten. Wahre Liebe liebt, weil sie möchte, nicht weil sie gebraucht oder benötigt wird. Denn so verkommt die geliebte Person schnell zu einem Lückenfüller dessen, was du selbst nicht zu füllen vermagst. Das heißt, alles das, was du du dir selbst nicht geben kannst, was du aber emotional brauchst. Du liebst dann schlichtweg die gefüllte Lücke, nicht aber den Lückenfüller. Und das schafft eine Art von Abhängigkeit, nicht aber Liebe.

Warum ein „Ich brauche dich“ nicht gut ist

„Ich brauche dich“ ist ein Satz, den ich, so hart es jetzt vielleicht klingen mag, aus meiner Gedankenstruktur gestrichen habe, seitdem ich erkannt habe, dass ich jahrelang jemanden an meiner Seite „brauchte“. Ich war fast besessen von der Vorstellung, nein halt, ich war verliebt in die Vorstellung einer Beziehung und meines Partners. Diese kleine Verfeinerung, die ich im Vorsatz vorgenommen habe, verdeutlicht, was ich eigentlich geliebt habe: die Vorstellung, die ich in meinem Kopf kreiert hatte, nicht die Beziehung und meinen Partner wie sie in der Realität existierten. Eine selbst erschaffene Idealisierung. Verliebt in eine Idee. Das war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, also dachte ich, ich liebe meinen Partner und es sei seine alleinige Aufgabe, mich glücklich zu machen. Dass dieses Trugbild irgendwann zerfallen sollte, brauche ich vermutlich nicht zu erwähnen. Genauso wenig, dass ich am Boden zerstört war und mich selbst in der Opferrolle wiederfand, in der ich noch einige Zeit verharren sollte.

 

Vom „ich brauche dich“ zum „ich entscheide mich für dich, jeden Tag“

Der Grundstein für die Erkenntnis, dass ich mir selbst etwas vorgemacht und mich in mein eigenes Gedankenkonstrukt verleibt hatte, wie auch so viele andere Erkenntnisse, ist die Selbstliebe. Wenn ich all meine Liebes-Lücken selbst zu füllen weiß, brauche ich keinen Lückenfüller. Dann kann ich einen Menschen so lieben, wie er*sie ist, ohne eine Abhängigkeit von dieser Person zu erschaffen. Aus dem täglichen „ich brauche dich“ wird ein „ich entscheide mich für dich“ – und klingt das nicht viel schöner, positiver, befreiter und eigenverantwortlicher als der Bittsteller für Liebe als Gegenleistung zu sein?

Daher lautet mein heutiges Mantra:

Ich liebe mich und nehme mich so an, wie ich bin, sodass ich auch andere lieben kann und sie so annehmen kann wie sie sind.

Mit diesen Worten wünsche ich dir einen guten Start in die Vorweihnachtszeit – voller wahrer, bedingungsloser Liebe.

 

Vorweihnachtszeit, ein gutes Stichwort!

Ab morgen geht es wieder los, der Countdown zum Fest der Liebe beginnt. Und um dir die Vorweihnachtszeit noch ein bisschen zu versüßen, hat die liebe Melanie von Ganzwunderbar 24 tolle Bloggerinnen und Blogger zusammengetrommelt – eine davon bin ich. Auf ihrem Blog gibt es auch eine Übersicht über die Türchen und Teilnehmer des diesjährigen Yoga-Adventskalenders. Es erwarten dich 24 spannende Blogbeiträge zum Thema Yoga, Liebe, Entspannung und Ernährung. Ich bin am 12.12. an der Reihe, sei also gespannt.

Yoga Adventskalender

 


Thoughts on love

I love you, you love me. The usual consensus of every relationship. It seems as if we use the sentence “I love you” at the level of an equivalence trade: whatever I invest; I receive back, what you invest is what you will receive back. If I don´t at least receive what I invested then you have a problem and me too, because I think you don´t love me. This is also true the other way around for you.

To love another doesn´t mean that you need them or expect their love. True love loves, because it wants to, not because it is needed or lacked. Otherwise the loved person quickly turns into a gap filler of what you can´t fill with anything else. You simply love the filled void, but not the gap filler. And this creates dependency, but not love. “I need you” is a sentence which, as hard as this may sound, I completely banned from my vocabulary since I realised that there was a person by my side for years which I “needed”. I was obsessed with, no stop, I was in love with the image of a relationship and a partner. This little refinement which I conducted shows what I actually loved: the imagination, which I created in my head, not the relationship how it existed in reality. A self-created idealisation. I didn´t know at the time so I thought that I loved my partner and it was his task to make me happy. I don´t think I have to mention that this was doomed to fail and that I was devastated, finding myself in the role of the victim in which I was apparently deemed to remain for some time.

The cornerstone for this realisation, that I was pretentious and deluding myself as well as many others, was self-love. If I know how to fill all my love-voids by myself then I don´t need a gap filler. Then I can begin to love someone how he*she is, without creating a dependency towards that person. The daily “I need you” turns into “I choose you” – doesn´t this sound much nicer, more positive, freed and independent than being the supplicant for love as a return service?

Therefore, today’s mantra is the following:

I love myself and accept myself the way I am, so that I can love others and accept them the way they are.

With these words, I wish you a great pre-Christmas season full of true, unconditional love!

 

 

Header by canvas.com