An diesem und den kommenden beiden Sonntagen ich werde dir Geschichten meiner Indienreise erzählen. Starten wir also heute mit dem Norden, Himachal Pradesh, und dem kleinen Örtchen Manali. Ich möchte dabei zunächst einmal mit der Anekdote meiner abenteuerlichen  Anreise mit dem Bus beginnen.

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Ein Busbahnhof irgendwo etwas außerhalb von Delhi. Es ist stickig, heiß und in der Luft liegt der, für Indien typische, Geruch: eine fast süßliche Mischung aus verbrauchter Luft, einer dezenten Müllnote und gewürzhaltigen Speisen, die irgendwo zubereitet werden. Mein Rucksack ist schwer und meine Achseln haben sich in aufgedrehte Wasserhähne verwandelt. Mein Rückenschweiß durchnässt meinen Rucksack während meine Stirn „shine bright like a diamond“ singt. Um mich herum wuseln hunderte von Menschen. Es ist laut. So wie Indien nun mal ist. Wir suchen unseren Bus, der uns hier raus bringt. Nicht aus Indien, aber dem Gewusel. Während dessen werde ich angestarrt. Von Männern und von Frauen. Aber vor allem von Männern. Ich möchte nicht wissen, was sie dabei denken. Ich falle auf mit meiner hellen Haut und meiner Größe, außer mir habe ich noch nicht einmal eine Hand voll anderer „Weißer“ in meinem wuseligen Umfeld entdeckt.

Endlich finden wir den Bus, geben unser Gepäck ab, steigen ein und nehmen Platz. Im Bus geht das Starren weiter. Immerhin gibt es eine Klimaanlage, welche viele der anderen Busse nicht haben. Und kurz darauf geht es auch schon los. 12 Stunden Fahrt, die sich noch auf 15 Stunden ausdehnen werden. Im Bus wird ein Film auf Hindi gezeigt, den ich nicht verstehe, dessen Handlung allerdings so simpel ist, dass ich verstehe worum es geht. Eine junge Frau, die es der Männerwelt und Unterdrückern heimzahlt. Yeah. Wären alle Frauen in Indien mal so drauf, den starrenden Männern würde das Starren aus Ehrfurcht vergehen. Aber das wird wohl so schnell nicht passieren.

Stattdessen haben wir einen leichten Auffahrunfall. Kein Wunder, bei dem Verkehrsaufkommen und der indischen Fahrweise. Hupen ersetzt bei den Indern quasi alle Regeln, die ich in der Fahrschule gelernt habe. Eigentlich total einfach. Der Typ des angetitschten Kleinwagens springt aufgebracht aus seinem Auto und gestikuliert wild herum. Unserem Busfahrer gefällt sein Verhalten überhaupt nicht. Kurzerhand knallt er ihm eine und nimmt wieder hinterm Steuer Platz. So löst man also Probleme hier. Wir setzen unsere Fahrt fort. Eine sehr unbequeme Fahrt. Mein Sitz und ich werden einfach keine Freunde.

Wach starre ich aus dem Fenster. Ich muss dabei aussehen, wie ein müder, indischer Starr-Typ. Fehlt nur noch ein Schnäuzer.

Also verbringe ich die ganze Zeit, welche zwei Pipipausen beinhaltet, weitgehend wach. Als ich gerade dabei bin einzuschlafen, beginnt jemand hinter mir mit seinem Training für den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde in der Rubrik „lautestes Schnarchen“. Wach starre ich aus dem Fenster. Ich muss dabei aussehen, wie ein müder, indischer Starr-Typ. Fehlt nur noch ein Schnäuzer. Ein, zwei Stunden später fallen mir die Augen zu, was ein vor mir sitzendes Kleinkind mitbekommen haben muss. Es schreit, lauter als der schnarchende Guinnessbuch-Anwärter, und es fängt an zu kotzen. Nach verrichtetem Erbrechen schläft es wieder ein. Ich bin wieder wach. Kurz darauf beginnt seine Mutter zu kotzen. Ob sie sich wohl auch am Indischen Essen den Magen verdorben haben, so wie ich letztes Jahr?

Als wir noch 4 Stunden von unserem Zielort entfernt sind, werden die Straßen immer mieser und sind teilweise nicht mehr vorhanden. Ja richtig, sie sind von Schlamm und Geröll verschüttet. Der wahnsinnige Busfahrer schlittert mit uns durch den Matsch, links von uns befindet sich ein tiefer Abgrund. Ich frage mich, ob ich in der letzten Zeit etwas über ein Busunglück in Indien gelesen habe und im gleichen Moment möchte ich nicht der Teil eines solchen Berichts sein, in dem es heißt: „An Bord des Busses befand sich eine Deutsche“.

Glücklicherweise schaffen wir es lebend nach Manali. Zumindest so lebendig, wie man nach 15 Stunden Busfahrt und akutem Schlafentzug sein kann. Wir drehen unsere persönliche Episode „The Walking Dead“ auf unserem Weg zum Hostel. Für 2,5 Kilometer benötigen wir eine Dreiviertelstunde, weil es bergauf geht. Und wir halt immer noch müde sind. Vorbei an vielen Hippieshops und Cafés. Old Manali ist ein verschlafenes Örtchen, an dem das Landleben auf Hippietouristen trifft. Also eigentlich voll entspannt. Wir schleppen uns einen leicht matschigen Fußweg an urigen Bauernhöfen entlang zu unserem Hostel, besser gesagt, Zostel, so heißt es nämlich.

Old Manali House India

 

Wie viel kosten 3 Tage in Manali?

Der Bus von Delhi nach Manali hat uns etwa 20€ one-way gekostet. Eine Unterkunft für 2 gibt es für rund 2000 INR (26€) pro Nacht, Mehrbettzimmer sind sicherlich viel günstiger zu haben. Der Kracher sind aber die Essenspreise. So zahlst du für ein Frühstück zu Zweit um die 5€, Mittag- und Abendessen für etwa 7-8€. Alles inklusive Getränke – wir haben meist Tee getrunken – und ja, für beide zusammen. Sollte es so verregnet sein wie bei uns, kannst du dir eine Stunde ayurvedische Massage mit Gesichtsbehandlung für etwa 20€ gönnen.

 

Manali India River

Was tun in Manali?

Ganz klar wandern! Ich hatte leider überhaupt keine Lust darauf, weil es immerzu in Strömen geregnet hat und es nur wenige kurze Regenpausen gab. Die haben wir genutzt, um den Ort zu erkunden, auf unserem Balkon zu entspannen oder ein bisschen zu Souvenirs zu shoppen (wie ein mega schöner, dicker Schal mit ethno Muster für 300INR – das sind 4€). Die Zeit von September bis Mai ist vermutlich eine bessere Zeit, um dort hin zu reisen. In Old Manali gibt es auch zwei Hindu Tempel, den Manu Temple und Hidimba Devi Temple, die man besuchen kann, die allerdings wenig spektakulär sind. Generell fand ich Old Manali schöner und ruhiger als sein neuerer Teil. Man kann wohl auch in der Gegend Rafting machen, Mountainbiken, Motorräder ausleihen, Paragliden und allerhand anderes machen – wir aber waren voll im Chillmodus. Nicht zuletzt wegen der langen Busfahrt, welche sich auf dem Weg nach Leh (in noch schlimmer) wiederholen sollte…

Old Manali India Cow Woman


India Tales: Manali

This Sunday and the two upcoming ones I want to share my stories of my India trip. Let’s start today with the North and Manali in Himachal Pradesh. But first, I want to tell you about my adventurous bus ride.

A bus station somewhere outside of Delhi. The air is sticky, hot and there is this typical Indian smell: a mixture of sweet, used air, a scent of trash and spicy food which is being cooked. My backpack is heavy and my armpits have turned into open tabs. The sweat from my back is drowning my backpack while my forehead starts to sing „shine bright like a diamond“. There are hundreds of people around me. It’s loud. It’s the way India is. We’re looking for our bus which is supposed to get us out of here. Not out of India but rather the bustle around us. Meanwhile I’m being stared at. Men and women stare equally. But mostly men. I don’t wanna know what they are thinking. I stand out with my fair skin and height and besides me there isn’t even a handful of other white people there.

We finally find the bus, drop our luggage, hop in and grab our seats. The staring continues even on the bus. At least there is an a/c, something which most of the other busses lack. And soon we’re on our way. 12hrs ride which will be extending to 15hrs. A Hindi movie is shown. I don’t understand a word but the plot is so simple, I can follow easily. It’s about a young woman who takes revenge on the suppressing men. Yeah. If only all women in India were like her, men’s staring wouldn’t be out there anymore. Unfortunately, that’s something which is not gonna happen too soon.

We have a rear-impact crash instead. Considering the traffic and the Indian way of driving, that’s no wonder. Honking basically replaces all traffic rules which I have ever learnt. Very simple actually. The guy involved jumps out of his car and waves his arms like mad. Apparently, our bus driver dislikes his behavior, that’s why he gets out, slaps him in the face and gets back onto his seat. We continue our journey. A very uncomfy ride. My seat and I won’t become friends.

Due to this I spend the time mostly awake. And as I eventually fall asleep, someone behind me starts his training for the world record of the loudest snore. Fully awake I stare out of the window and I might look like some tired Indian stare dude. Without a mustache. Shortly after I’ve closed my eyes the second time, a toddler starts to cry. It’s even louder than mr. world record’s snore. The kid starts to puke and falls asleep right after. And I’m awake again. Not much time has passed until puking-kid’s mom starts to throw up. I wonder whether Indian food did that to them, like it did to me last year.

4 hrs before we reach our destination the roads become worse and are at times not even existing. There is mud and gravel, hardly a road. The bus driver must be mad, he slides through the mud. To our left there is an abyss. I ask myself whether I’ve recently read something about bus accidents in India. At the same time I don’t wanna be part of an article which states “there was one German woman aboard”.

Luckily we reach Manali alive. At least as alive as one can be with a lack of sleep. We perform our personal episode of “The Walking Dead” on our way to the hostel. It takes us 45 minutes for 2,5 kilometers. Because it’s going uphill and we’re still tired. We pass hippieshops and cafes. Old Manali is a quiet village where rural life meets hippie tourists, which is actually chilled. We drag ourselves through the muddy path, heading towards our hostel, or Zostel, to be precise.

 

Costs?

The bus ride is about 20€ one way. An accommodation for 2 is around 2000 INR (26€) per night, dorms are surely cheaper. But nothing beats the food prices. A breakfast for two costs about 5€, lunch and dinner is 7-8€. Including drinks (we had tea most of the time) and yes, for two! If it’s raining you can get an ayurvedic massage at around 20€.

 

What to do in Manali?

Trekking! I wasn’t too keen on doing it because it was pouring most of the time. We used the short dry breaks to explore the village, relax on the balcony or to do some souvenir shopping (a beautiful, thick scarf with ethno pattern for 300INR – that’s 4€). September to May seem to be a better time to go there. There are two Hindu temples, Manu Temple and Hidimba Devi Temple, in Old Manali which aren’t too fascinating. But in general I liked Old Manali more than the newer part. One can also do rafting, mountainbiking, rent motorbikes, do paragliding and many more – but we were just in chill mode. Not least because of the tiring bus ride, which was about to repeat (even worse) on our way to Leh…