Wenn du auf Reisen bist, passieren die verrücktesten Dinge. Manchmal sind sie lustig, manchmal gar nicht so lustig aber im Anschluss irgendwie doch und wiederum manchmal sind sie kurios oder angsteinflößend – so wie meine Busfahrt von Manali nach Leh in Indien zum Beispiel. So oft wie ich in den vergangen Jahren unterwegs war, zudem oftmals allein, kannst du dir also vorstellen, dass mir schon allerhand passiert ist.

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So begab es sich am 1. Januar 2016, dass ich mit meinen Mädels das neue Jahr am Strand in Kapstadt beginnen wollte. Noch nie waren wir zu Neujahr im Warmen, das wollten wir also in vollen Zügen genießen. Also ab an den Strand in Camps Bay, der, verglichen mit den anderen Stränden der Stadt, eher schlecht abschneidet. Aber hey, er war fußläufig erreichbar und, nunja, ein Strand halt. Gemütlich faulenzten wir in der Sonne, an diesem schönen, sonnigen Tag. Nach kurzer Zeit überkam uns allerdings die Aufbruchsstimmung. Ich weiß nicht mehr, ob wir hungrig waren oder einfach was unternehmen wollten.

Als ich aufstand, um mein Handtuch zu entsanden und zu falten, trat ich in etwas Spitzes. So wie das halt am Strand ist, Stöckchen, Steinchen, Muschelsplitter, was weiß ich. Aber irgendwie tat das ganz schön weh. Ein prüfender Blick auf den Fuß: Blut. Ein prüfender Blick auf den Sand: Schock! Lugte da doch tatsächlich die funkelnde Spitze einer Spritze aus dem Sand. Mir schossen unzählige Gedanken durch den Kopf: Warum liegt die hier? Hing da war dran? Wer hing da dran und warum? Glaubt man dieser Quelle (r) so liegt der Anteil, der an HIV erkrankten Menschen in Südafrika zwischen 15-49 Jahren bei über 19%! Was ist wenn ich mich angesteckt habe? All diese Gedanken kreisten in meinem Kopf sodass mir ganz schwindelig wurde. Nachdem ich wieder in der Lage war aufzustehen, beschlossen meine Freundin Eve und ich, nachdem wir ernüchtert feststellten, dass Apotheken und Arztpraxen geschlossen hatten, ins Krankenhaus zu fahren. Ich wusste schließlich, dass es im Worst Case ein Mittel gibt, das man innerhalb von 72 Stunden nach einer potentiellen HIV-Infektion einnehmen kann, um Schlimmeres zu verhindern.

Im Krankenhaus wurde ich allerdings belächelt. Was ich nicht wusste: die HI Viren sind hochempfindlich und können an der Luft nicht allzu lange überleben. Ein schwacher Trost, dem ich nicht so ganz trauen wollte. Der Mann im Krankenhaus sagte zudem, ich solle mir mehr Sorgen um Hepatitis und Tetanus machen. Das wurde ja immer besser! Immerhin war ich gegen Tetanus geimpft. Gott sei Dank, eine Sorge weniger.

Ich brauche, glaube ich, nicht zu erwähnen, dass der Tag völlig hinüber war für mich und das Ereignis mich auch die nächsten Tage verfolgte. Kurz nach meiner Rückkehr in Deutschland ließ ich mich bei meiner Hausärztin auf Hepatitis testen, zum Glück negativ. Einen HIV-Test, obwohl die Chance verschwindend gering war, ließ ich ebenfalls durchführen. Dazu suchte ich das Gesundheitsamt in Köln auf. Wusstest du, dass du dort anonym und kostenfrei einen solchen Test machen kannst (bestimmt auch in anderen Städten, hör einfach mal nach, wenn es dich interessiert)? Vor der Blutentnahme erfolgt ein Beratungsgespräch mit eine*r Mitarbeiter*in. Meine war super nett, verständnisvoll und sehr kompetent. Man kann wählen zwischen einem Schnelltest, der ab 3 Monate nach sogenanntem Risikokontakt erfolgen kann, dessen Ergebnis binnen weniger Stunden verfügbar ist, und dem normalen Test, der bereits nach 6 Wochen durchgeführt werden kann, dessen Ergebnismitteilung nach 2-3 Tagen erfolgt. Das Ergebnis wird immer mündlich in einem persönlichen Gespräch übermittelt.

Was habe ich aus dieser Geschichte gelernt: Man sollte Dinge, so schlimm sie auch sein mögen, versuchen halbwegs locker zu sehen, wenn man sie nicht ändern kann. Humor hilft dabei: Manchmal suchen wir die Nadel im Heuhaufen und manchmal findet sie uns am Strand – so ist das Leben.

 


Syringes on Cape Towns beaches

The craziest things tend to happen when you´re travelling. Sometimes they are funny, sometimes not (but turn out to be later on) and sometimes they are strange or scary – like my bus ride from Manali to Leh in India for example. As I travelled a lot during the past years, often all by myself, you can imagine how many things happened to me.

On the first of January 2016, I wanted to begin the new year at the beach of Cape Town with my girls. We had never celebrated New Year´s in warmer temperatures, hence we wanted to enjoy ourselves fully, so we decided to travel to the beach in Camps Bay which, compared to other beaches, comes off poorly. But hey, you can reach it by foot and well, it is a beach! We relaxed in the sunshine on this beautiful sunny day. Later on we felt the urge to move on, and I can´t remember whether we were hungry or wanted to do something.

When I got up to fold my towel and remove the sand I stepped into something sharp. As it usually is on beaches you find sticks, stones, splinters of shells, whatever. But this hurt a lot more. I checked my foot and saw blood- and as I looked down onto the sand I was shocked; a syringe! Thoughts started to flood my mind… Why is there a syringe at the beach? Who used it and what for? If you believe certain sources, the percentage of HIV sufferers in South Africa in the age of 15-49 years lies at above 19%! What if I got infected? All these thoughts circulated in my head and I felt dizzy. After a while, when I was ready to get up again, me and my friend Eve decided to go to hospital after finding out that pharmacies and GP surgeries were closed. I knew that in the worst case there would be a medication which one may take up to 72 hours after getting infected with HIV to prevent worse consequences.

When I arrived at the hospital I felt ridiculed. What I didn´t know before: HI-Viruses are very sensitive and cannot survive outside a host body for more than a very short period. A small comfort which I didn´t want to rely on too quickly. The man at the hospital said I should be more worried about hepatitis and tetanus… That doesn´t sound much better, does it? At least I was vaccinated against tetanus. Thank God, one worry less.

I don´t think I need to tell you that my day was completely over and that the incident didn´t leave me alone for the next few days. After I returned to Germany I conducted a hepatitis test with my GP, which was negative thankfully. Despite the risk being very small, I decided to do an HIV-test too at the Health Centre of Cologne. Did you know that any test for STI´s is anonymous and free? (I´m sure you can do so in other cities too, just inform yourself if you´re interested). Before the blood test you get to speak to a member of staff for a quick consultancy, and they were super nice, understanding and very competent. You can pick between a quick test which can be used after 3 months after a potential contact, the result of which is available within a few hours, and a normal test which can be conducted already after 6 weeks, the result of which is transmitted to you after 2-3 days. The result will always be communicated orally in a personal conversation.

Bottom line: I learnt to deal with tough situations more calmly. And with a bit of sense of humor: People struggle everywhere to find the needle in the haystack and somtimes the needle finds you on a beach.