Normalerweise bin ich eine friedliche, genügsame Veganerin. Aber in letzter Zeit habe ich von so vielen Leuten – teilweise auch auf dem Blog – so viele vorurteilbehaftete Aussagen zu hören bzw. lesen bekommen, dass ich dachte, es ist mal an der Zeit einen Beitrag drüber zu schreiben, warum vegan leben weder Verzicht noch Mangel bedeutet. Hier also eine neue Runde „vegane Mythen aufgedeckt“.

 

„Als Veganer hat man Nährstoffmangel“

Schön, dass diese Aussage ich immer so herrlich pauschal getroffen wird. Merkwürdig, dass so viele Veganer*innen, inklusive mir, hervorragend versorgt sind mit Nährstoffen. Warum das so ist? Weil wir unheimlich viele Nahrungsmittel unverarbeitet oder nur gering verarbeitet zu uns nehmen. Pflanzen decken dabei so ziemlich jeden Nährstoff ab und wenn man sich quer durch den Regenbogen aus Gemüse und Obst futtert, ermangelt es einem nicht an Nährstoffen – das gilt für Mischköstler und Veganer gleichermaßen. Die einzige Ausnahme bildet Vitamin B12, welches unheimlich wichtig ist und selbst bei Mischköstlern oft supplementiert, d.h. zusätzlich vergeben werden sollte. Dass man zur B12 Aufnahme unbedingt Fleisch konsumieren muss, ist übrigens völliger Quatsch. Ob du selbst eine Tablette oder ähnliches mit B12 zu dir nimmst oder das Ganze über ein Tier aus der Massentierhaltung in dir landet – ja, auch die bekommen es tatsächlich supplementiert – ist in meinen Augen eine eindeutige Gleichung. Da verzichte ich liebend gerne auf den „Umweg“ über ein ehemals lebendiges Wesen.

 

„Aber es schmeckt so gut“ oder „ich kann nicht ohne XYZ leben“

Kennst du die umstrittene Aussage von Kate Moss „nothing tastes as good as skinny feels“ (nichts schmeckt so gut wie das Gefühl dünn zu sein)? Für mich lautet es „nothing tastes as good as vegan feels“. Seitdem ich mir bewusst gemacht habe, wie furchtbar gemein und egoistisch es von mir ist, mein persönliches Geschmackserlebnis über das Leben eines fühlenden Wesens zu stellen, war die Sache für mich klar. Mir hat Fleisch auch immer gut geschmeckt, aber seitdem ich erkannt habe, was ich damit Lebewesen antue, nur damit ich für 5 Minuten „hmmm lecker“ sagen kann, werde ich dankend darauf verzichten. Manche glauben, das sei Verzicht – ich sage, es ist eine Bereicherung, denn ich habe viel Neues ausprobiert und entdeckt, meinen Horizont erweitert. Das Argument „Tofu schmeckt halt nicht“ lasse ich übrigens nicht gelten, denn rohes oder gekochtes Fleisch ohne Gewürze schmeckt nun mal auch eher suboptimal. Wir sind also an den Geschmack aus Fleisch und Gewürzen gewohnt, nicht mehr und nicht weniger.

 

„Vegan sein ist anstrengend (und teuer)“

Stimmt, wenn man der Auffassung ist, man müsse alles 1:1 „veganisieren“ und depperte Ersatzprodukte kaufen. Ich möchte veggie Schnitzel und Co nicht partout verteufeln, da sie vielen die Umstellung erleichtern bzw. überhaupt ermöglichen. In diesem Fall begrüße ich sie sogar. Aber gesund und günstig ist tatsächlich eine vollwertige Nahrungspalette aus Pflanzen. Vor allem saisonales Obst und Gemüse ist richtig günstig; (die meisten) Nudeln und Brot sind von Natur aus vegan, Reis sowieso. All diese Nahrungsmittel sind alles andere als teuer. Achte einfach mal auf die Inhaltsstoffe von Verpackungen, du wirst überrascht sein, was alles vegan ist, auch ohne Logo. Dieses Logo müssen Firmen übrigens kostenpflichtig lizensieren, daher verzichten viele darauf. Achja, der Hinweis “kann Spuren von… enthalten” ist lediglich ein Allergikerhinweis und die Nahrungsmittel können bedenkenlos konsumiert werden. Gut oder?

 

„Man bekommt nicht genug Protein“

Ich war jahrelang mehr oder minder stark untergewichtig und niemand hat sich jemals um meine Proteinzufuhr gesorgt – bis ich vegan wurde. Total absurd oder? Denn schon damals aß ich viel lieber Brot und andere stärkehaltige Nahrungsmittel. Durch die vegane Ernährung nahm ich nicht nur an Gewicht, sondern auch an Muskelmasse zu. Merkwürdig oder, eigentlich sollte ich doch mangelernährt sein?! Vor allem Hülsenfrüchte sind ausgezeichnete Proteinquellen, für die niemand ein Fellhaar gekrümmt werden muss 🙂 Außerdem gibt es mittlerweile genug vegane Athleten, die mit gutem Beispiel vorangehen.

 

„Wegen dem ganzen Tofu werden Regenwälder abgeholzt (und ist genmanipuliert)“

Netter Versuch, Fleischindustrie, die Meinung vieler Menschen dahingehend zu infiltrieren. Fakt ist: der genmanipulierte Mist-Soja wird den Tieren in der Mast gegeben, die Mischköstler am Ende auf dem Teller haben. Mischköstler vermeiden somit „das böse Soja“ und nehmen es dann doch irgendwie über ihr Steak zu sich. Ich gebe dir gerne eine Zahl: 80% des importierten Sojas, welcher meist aus Südamerika zu uns kommt, wird in der Viehzucht verfüttert. Und da liegt das Problem. Gerade in der Milchindustrie müssen die Tiere Hochleistung erbringen und bekommen, statt ihren eigentlichen Nahrungsmitteln beim Grasen, proteinreiches Soja zugefüttert. Dass die benötigte Menge oberhalb derer eines einzelnen Menschen liegt, ist dabei wohl selbsterklärend.

 

Ich bitte dich also, wenn du nicht bereits Veganer*in bist, den veganen Lifestyle nicht unreflektiert als schlecht abzutun und jede der veganen Mythen einfach Glauben zu schenken. Schlecht ist auch eine inkorrekte Mischkost, aber darüber regt sich niemand auf solange die betroffene Person nicht täglich bei Fastfood Restaurants einkehrt.

Mache dir bewusst, dass wir hinsichtlich der Fleischesserei lediglich von klein auf konditioniert wurden: Hunde sind süß als Haustiere, Kühe liefern prima Material für Schuhe und Schweine schmecken toll als Schnitzel.

Diese willkürliche Zuordnung nennt man übrigens „Karnismus“, welcher kulturabhängig ist – während wir im Westen also Kühe essen, schreien gläubige Hindus auf und wir schreien auf, während Hunde in China oder Meerschweinchen in Ecuador verspeist werden. Wer hat eigentlich wann bestimmt, wen wir essen, wen wir süß finden und wen wir tragen? Richtig, unsere Kultur. Und im Rahmen des massiven Klimawandels sollten wir alle den Fleischkonsum noch einmal gewaltig re-evaluieren. In einer Sache sind sich Wissenschaftler mittlerweile einig: eine zumindest vegetarische Ernährung stellt sicher, dass weniger Treibhausgase freigesetzt werden und wir auch zukünftig im Stande sind, den Großteil der stetig wachsenden Weltbevölkerung zu ernähren. Wenn alle Nationen eine ähnliche Gier nach billigem Fleisch wie in den westlichen Ländern hätten, wäre es bald vorbei mit unserer schönen Erde…

Zu guter Letzt: Wenn du wissen möchtest, wo man diesen köstlichen veganen Kuchen auf dem Foto bekommt, schau einmal auf diesem Post vorbei.

 

Quellen:

WWF

Vegetarierbund

Albert Schweitzer Stiftung

 

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